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Nürnberg & Schweinfurt

Vesperkirchen öffnen ihre Pforten

Erstmals öffnet die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Nürnberger Südstadt ihre Türen als Vesperkirche. Im Kirchenraum wird Essen und Trinken angeboten – aber auch juristische Beratung oder Maniküre. Schweinfurt ist zum zweiten Mal dabei.

Stand: 16.01.2016

Eine warme Mahlzeit gibt es in Nürnberg zum Beispiel für den symbolischen Preis von einem Euro. Wer will, kann sich beispielsweise auch kostenlos die Haare frisieren lassen, sich ärztlich oder juristisch beraten lassen oder einfach nur die Tageszeitung lesen. Die Idee einer Vesperkirche kommt aus Baden-Württemberg, wo jährlich in rund 20 evangelischen Kirchen soziale Projekte angeboten werden. In Schweinfurt gab es im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Vesperkirche in Bayern.

"In Schweinfurt waren wir völlig überwältigt von dem Andrang. Es mussten wesentlich mehr Essen ausgegeben werden, es gab lange Schlangen, es gab sehr viele Menschen, die gerne an der Vesperkircheteilgenommen haben – aus allen Schichten der Gesellschaft."

Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern

 

Für alle offen

Weitere Infos

Die Nürnberger Vesperkirche hat von 17. Januar bis zum 28. Februar täglich von 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. An den Sonntagen sowie an zwei Samstagen finden jeweils um 17.00 Uhr Benefizkonzerte statt.
Weitere Informationen auf der Internetseite der Nürnberger Vesperkirche.

Nach dem Erfolg sollen in diesem Jahr nun auch in Nürnberg viele Menschen zusammenkommen und das Angebot nutzen. "Bayern gilt als reiches Land, aber wenn man genauer hinschaut, gibt es erstaunlich viele Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Oft sieht man das gar nicht, weil sie die Armut verstecken", so Bammessel. Der Diakonie-Präsident betonte jedoch, das Angebot gelte für alle. Nicht nur Bedürftige seien willkommen.

"Wir sind einerseits für die Armen da, das sind wir eigentlich immer, aber nie so sichtbar wie wenn der Kirchenraum direkt auch für arme Menschen geöffnet wird, aber jetzt kommt eben das andere dazu: Gerade die Kirche hat ihre große Stärke darin, verschiedene Generationen und Gesellschaftsschichten miteinander zu verbinden."

Michael Bammessel

 

In Schweinfurt startet die zweite Vesperkirche am Sonntag (17.01.16) in der evangelischen St. Johanniskirche mit einem Gottesdienst, den Regionalbischöfin Gisela Bornowski vom evangelischen Kirchenkreises Ansbach-Würzburg hält. Die ersten Essen werden ab 11.30 Uhr ausgeteilt. Die Vesperkirche in Schweinfurt dauert bis zum 7. Februar. Oliver Bruckmann, Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanats Schweinfurt, erwartet in den 22 Tagen wieder rund 11.000 Menschen zur Bewirtung. Rund 250 ehrenamtliche Helfer stehen bereit, um täglich bis zu gut 500 Menschen zu bewirten.

"Es gibt Leute, die bringen ein Drittel ihres Jahresurlaubs ein, um sich als ehrenamtliche Helfer in der Vesperkirchezu engagieren."

Oliver Bruckmann, Dekanat Schweinfurt

 

Das Essen wird von der Küche des Schweinfurter Leopoldina-Krankenhauses gekocht und geliefert. An drei Abenden wird es auch Konzerte und eine Lesung geben.