Presseartikel

08.02.2015 12:52 Uhr, Schweinfurt
 

Dekan Bruckmann: Die Vesperkirche wird nachwirken

Dekanat und Diakonie sprechen allein angesichts der über 10 000 Gäste von einem Erfolg
Die erste Vesperkirche in Bayern ist am Sonntag nach drei Wochen mit einem Gottesdienst und der erneut großen Anzahl von 500 Gästen zu Ende gegangen. Der Geist, den dieses gelebte Miteinander für Leib und auch für die Seele bei vielen bewirkt hat, der werde weiterleben, zeigte sich Dekan Oliver Bruckmann überzeugt. Auch „Partner“ Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa sprach von einem „großen Erfolg“, wofür allein die unerwartet hohe Zahl von 10 686 Gästen in den zurückliegenden 22 Tagen spreche.
 
 
 
Kurzfristig eingesprungen für die erkrankte Regionalbischöfin des Kirchenkreises Würzburg-Ansbach, Gisela Bornowski, sparte Bruckmann in seiner Predigt vor der letzten Vesper aber auch die während der Zeit geäußerten kritischen Stimmen nicht aus. Das täglich erlebte „Angenommensein und Einanderannehmen“ sei für die ganz große Mehrheit ein Erlebnis und eine wunderbare Erfahrung gewesen, die für St. Johannis, die Kirche in der ganzen Stadt, im Dekanat und in der Diakonie Spuren hinterlassen und nachwirken werde.

Den Veranstaltern war es neben der erfreulichen Resonanz weit wichtiger, dass es an den Tischen, in der Cafeteria und in den Kirchenbänken täglich über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg zu vielen guten, mitunter einzigartigen Begegnungen und Gesprächen kam. Bruckmann schilderte einige dieser Aufeinandertreffen von unterschiedlichsten Menschen, die „miteinander ein Stück Leben geteilt haben“.

Man begegnete dem stadtbekannten Mann mit der blauen Jacke, der berichtete, dass er, wenn er zu Nikolaus gebucht werden würde, sich gar nicht groß verkleiden müsse mit seinem weißen Rauschebart. Oder der älteren Dame, die es einfach genossen hat ihrer Einsamkeit zuhause entfliehen und „mal wieder in netter Gesellschaft essen zu können“. Oder dem Asylbewerber aus Äthiopien, der den Tischnachbarn erfreut vom ersehnten Nachzug seiner Familie berichtete.

Oft zu beobachten waren Begegnungen von sichtbar erfolgreichen Menschen mit solchen, die aus der Laufbahn geworfen worden sind. In der Vesperkirche seien viele solcher Gespräche auf Augenhöhe gelungen. „Da werden wir einander gerecht“, sagte Bruckmann.

Dass niemand draußen bleiben musste, lag natürlich auch am Symbolpreis von 1,50 Euro fürs Mittagessen – am Sonntag für Hirschbraten mit Kartoffelknödel oder Brokkoli-Kartoffel-Gratin für die Vegetarier. „Alle sollten sich angenommen fühlen, vielleicht sehen das auch die, die mit der Begründung ausgetreten sind“, die Kirche kümmere sich nicht um Gerechtigkeit, so Bruckmann.

Der Dekan stellte sich den Kritikern, die zum Beispiel auch gemeint hatten, dass man in einer Kirche nicht essen darf. Gott habe uns so geschaffen, „dass wir an Leib und Seele ernährt sein wollen“, sagte er. Und dazu könne auch der Tipp gehören, wie man die wahnsinnigen Energiekosten zuhause in den Griff bekommt, dazu könne Blutdruckkontrolle, Haareschneiden und Fußpflege gehören. „Na wie bei Jesus halt, der den Menschen beim Essen die Füße wusch“, sagte der Dekan mit einem Lächeln auf den Lippen.

Kritik an der Vesperkirche wurde auch bei der Jahresversammlung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Schweinfurt wegen der „merklichen Rückgänge beim Mittagstisch“ während der drei Wochen geäußert. Der soziale Hintergrund der Aktion wurde zwar gelobt, die Größenordnung mit über 400 Portionen täglich und die Dauer aber in Frage gestellt. Die Verantwortlichen wollen sich für nächstes Jahr um eine „einvernehmliche Lösung“ bemühen. Keßler-Rosa wollte sich jetzt nur insofern äußern, als er erinnerte, dass man die Wirte vor der Vesperkirche informiert habe. „Aber wir werden reden“, sagte er.

Über das Projekt lasse er aber nichts kommen. „Das war ein Traum“, sagte der Diakoniechef. Die Vesperkirche sei zum Tagesgespräch im Dekanat, in der Diakonie, in der Stadt und über die Region hinaus geworden. „Vesperkirche hat funktioniert, das Konzept ist aufgegangen“, resümierten Keßler-Rosa und Bruckmann.

Vesperkirche in Zahlen

10 686 Essensportionen sind in den 22 Tagen der Vesperkirche ausgegeben worden. Eine Großleistung der Leopoldina-Küche, die wegen des nicht ganz erwarteten Ansturms von den Köchen des Löhe-Heims unterstützt werden mussten.

Helfer: Die Vesperkirche begeisterte so viele Menschen, dass viele ihre Hilfe anboten. Die Zahl der Ehrenamtlichen wuchs so von anfangs 180 auf über 250 Frauen und Männer. Täglich waren rund 60 im Einsatz. 4500 Stunden ehrenamtliches Engagements sind zusammengekommen. 210 private Kuchenbäcker haben über 500 selbst gebackene Kuchen gebracht. Hinter den Kulissen halfen Schweinfurter als Wäscher der Vesperkirchen-Schützen und Geschirrtücher. Spender: Viele Gäste ließen sich auf ihren Zehn- und 20-Euroschein fürs Mittagessen nichts rausgeben. Wegen der Resonanz müssen die beiden Veranstalter mehr als 45 000 Euro zusammenbringen. Dekanat und Diakonie hoffen, dass die „noch erforderlichen Spenden in den nächsten Wochen eingehen“.

Ausblick: Die Vesperkirche Schweinfurt wird 2016 wieder in den kalten Wochen Anfang des Jahres in St. Johannis ihre Pforten öffnen. hh

 
 
Quelle: mainpost.de
Autor: Hannes Helferich

 

 

Süddeutsche Zeitung vom 19.1.2015, S. 29:

Vespern für alle

Die Dame, mit der Günter Appel Kaffee trinkt, hat er gerade erst kennengelernt. Bei Spießbraten mit Knödeln sind sie ins Gespräch gekommen, im Altarraum der St.-Johannis-Kirche in Schweinfurt. "Sonst wäre ich nur allein daheim geblieben", sagt Appel. "Also bin ich hergekommen." Zum Mittagessen in Schweinfurts Stadtkirche. "Menschen zusammenbringen, die sonst nicht zusammensitzen", so beschreibt Mit-Organisator Uwe Kraus, der Leiter der Spozialarbeit bei der Diakonie, die Idee von Bayerns erster Vesperkirche. [...]

"Jeder soll hier sein können", sagt Uwe Kraus, "es soll aber keine Armenspeisung sein." So sieht es auch nicht aus am Sonntag, viele Besucher geben mehr Geld in die Kasse. Wie Petra Müller und Marita Holzner. Die beiden sind Arbeitskolleginnen in einem Schweinfurter Architekturbüro, beim Mittagessen in der Kirche haben sie sich zufällig getroffen. "Das muss man unterstützen", sagt Petra Müller. Ihr gefällt die Idee, dass sich diese Mahlzeit auch Leute mit wenig Geld liesten könnten. [...]

Dekan Oliver Bruckmann denkt schon länger an so etwas. Eine Umfrage brachte ihn darauf, bei der er 2012 die Leute seines Dekanats befragen ließ, die aus der Kirche ausgetreten waren. Viele hätten als Grund angegeben, dass sich die Kirche zu wenig um Gerechtigkeit kümmere. "Wir waren total verwundert", sagt der Dekan, "schließlich haben wir doch die Diakonie." Offenbar habe die allerdings niemand der Kirche zugeschrieben. Die Vesperkirche nun soll für alle offen sein."  [...]

Karolina Sängerlaub hat an diesem Sonntag auch schon ein paar Leute gesehen, die sonst nicht in die Kirche kommen. Sie kocht den Kaffee, mit extra Vesperkirche-Schürze und Namensschild, das sie als Helferin ausweist, steht sie hinter den großen Kaffeekannen. [...] Die 60-jährige Sängerlaub engagiert sich schon lange in der Diakonie, vor allem in der Seniorenarbeit. Die Idee mit der Vesperkirche fand sie gleich toll, erzählt sie. Auch wenn sie erst ein bisschen skeptisch gewesen sei, wie sie angenommen würde. Der Franke sei da doch eher zurückhaltend. Aber so sieht es nicht aus vorne im Altarraum. [...]

Diakon Norbert Holzheid, der die Vesperkirche maßgeblich organisiert, formuliert es so: "Nur das Beste ist für unsere Gäste gut genug, daher kann es eigentlich keinen anderen Raum geben als das Gottteshaus, das Gebäude, auf das wir alle in der Stadt sehr stolz sind. Ich kann mir vorstellen, Jesus hätte es genauso gemacht."

(Text: Katja Auer)

 

Mainpost vom 18.01.2015:

Mein Wochenende: Welturaufführung

Schweinfurt nennt sich Stadt des Sports, der Kunst und Kultur. Wer ankommt, erfährt (Ortsschild) oder sieht (Fabriken), dass wir Hochschul- und Industriestadt sind, dass Schweinfurt halt „viel auf Lager hat“. Seit Sonntag nun noch ein Titel: die erste Vesperkirche – zumindest in Bayern. Das lockte jede Menge Medien und Neugierige an. Vertreten war der Landkreis, der eine oder andere Stadtrat war auszumachen. Zu vieler Verwunderung nicht aber das offizielle Schweinfurt.

Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern um das absolut erwähnenswerte „Werbetrommelrühren“ von Oliver Bruckmann für eine erste Veranstaltung, die im Rahmen der Vesperkirche stattfindet. Am Donnerstag, 22. Januar, um 19 Uhr werde Schweinfurt eine „Welturaufführung“ erleben. Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Dekanats treten als Chor auf, spielen auf ihren Instrumenten. Schier „unbeschreiblich“ sei, welche „Begabungen es da gibt“, animierte der Dekan schmunzelnd zum Besuch dieses „Ohrenschmaus in der Vesperkirche“.

Den Chor leitet übrigens Kirchenmusikdirektorin Andrea Balzer. Sie habe sich „nicht abschrecken lassen“, merkte Bruckmann am Ende schmunzelnd an, wohl merkend, wie dick er aufgetragen hatte. Also: Donnerstagabend, Vesperkirche, vielleicht hat auch einer der drei Bürgermeister Zeit für die Premiere.

(Text: Hannes Helferich)

 

 Mainpost vom 18.01.2015:

Vesperkirche übertrifft alle Erwartungen

Mit über 400 Essen am Dienstag und Mittwoch übertrifft Vesperkirche alle Erwartungen

Mittwoch, 10.15 Uhr. 31 Frauen und 13 Männer sitzen auf der Empore der St. Johanniskirche, bilden einen großen Kreis. Es sind die 44 Ehrenamtlichen, die am vierten Tag der Vesperkiche „Dienst tun". Cheforganisator Diakon Norbert Holzheid begrüßt alle herzlich, besonders Bernhard Nehrig aus Kulmbach. Der „Diakonkollege" hat sich 14 Tage frei genommen, um mitzuhelfen.

Großartig findet auch eine Frau aus Tirschenreuth die Vesperkirche. Wann sie denn gebraucht werde, hat sie am Dienstag nach Schweinfurt gemailt. Holzheid hat für ihre Bereitschaft gedankt, ihr aber geantwortet, dass sie das Hotelzimmer selbst zahlen müsse. Kommen wird die Tirschenreutherin vermutlich dennoch. Seinen Freund Nehrig hat Holzheid 14 Tage bei sich zuhause aufgenommen.

180 Ehrenamtliche haben sich vor dem Start gemeldet. Einige sind ausgefallen. Ersatz ist aber „vorhanden", weil sehr viele, die schon zu Mittag gegessen hätten, mitgeteilt haben: „Trag mich ein, ich würde gerne mithelfen", berichtet Holzheid. Dann erfolgt die Einteilung für den Mittwoch. 277 Essen waren es bei der Premiere, 303 am Montag, 433 am Dienstag. Bei der Essensausgabe und bei den Helfern, die bedienen, muss deshalb „Personal" aufgestockt werden. Sechs statt acht Servicekräfte sind es jetzt, die die Gäste ab 11.30 Uhr zu den Tischen führen.

10.45 Uhr: Pfarrerin Gisela Bruckmann spricht ein kurzes Gebet, wünscht allen, dass sie Freude haben mögen. Dann werden die Namensschilder verteilt, alle streifen sich ihre Schürze „Vesperkirche" über.

11.15 Uhr: Das Essen trifft ein. Schweinegeschnetzeltes mit Kartoffeltalern und für die Vegetarier eine Salatschüssel mit Baguette. Am Dienstag war die Kapazität der Leopoldina-Küche bei 300 Essen erschöpft. Das Löhe-Heim sprang helfend ein und ist ab sofort der zweite Essenslieferant.

11.30 Uhr: Vor der Kirche hat sich eine bereits lange Schlange gebildet. Sie löst sich schnell auf. Man zahlt 1,50 Euro an der Kasse, bekommt zwei Bons, einen fürs Essen, einen für Kaffee und Kuchen danach. Robert Scheibe sitzt an der Kasse und berichtet, dass ungefähr ein Drittel der Gäste diesen symbolischen Betrag zahlen. Die Mehrheit aber gebe mehr, manch einer einen größeren Schein. „Das ist mir das Wert", sagt ein Schweinfurter, der zehn Euro zahlt.

Platzanweiser sorgen für Mix

Brigitte Schulz weist täglich die Platzanweiser ein, die Acht geben, dass an jedem der 16 Tische ein bunter Mix sitzt. Ältere, Junge, Männer, Frauen, sichtbar Geschäftsleute oder Menschen ohne Job. Wie der 53-Jährige, der schon länger arbeitslos ist, und aus finanziellen Gründen kommt. Daraus macht er keinen Hehl. „Es ist aber auch das Gespräch", sagt er und bittet, seinen Namen nicht zu nennen. Auch die 60-Jährige sagt ganz offen, dass ihre schmale Rente der Grund für ihr Kommen ist.

„Ja, ich bin arbeitslos und habe nicht immer ein warmes Mittagessen", sagt Klaus ohne Nachname. Es kommen viele ältere, alleinsstehende und hier vor allem Frauen, die Geselligkeit suchen. So wie Maria Berna, die einräumt, dass „ich finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet bin". Das hier „ist gut", sagt sie.

Rita Schöpf wiederum erzählt, dass sie „aus reiner Neugier" gekommen ist. „Nur wer da war, kann auch mitreden", lacht sie. Oder die zwei Rentner aus Würzburg, die von der Vesperkirche in der Zeitung gelesen, sich in den Zug gesetzt haben, „weil das unser Traum einer Kirche ist", sagen sie. „Bereichsleiterin" Brigitte Schulz berichtet, dass die Gäste immer erstaunt sind, dass sie bedient werden. Sie zitiert einen Gast: „Wie in einem gehobenen Lokal, halt nur in einer Kirche".

Friedrich Senft ist gelernter Bäcker, er war Marktleiter beim Kupsch und steht an der Kuchentheke. Nur an zwei der 22 Tagen hat er sich frei genommen. Warum hilft der 79-Jährige? „Ich bin froh, dass ich das machen kann", sagt er und fügt an. „Arbeit hätte ich zuhause auch andere genug".

Brunhilde Käser arbeitet in der Abtei Münsterschwarzach, ist dort zuständig für den „Fair trade-Handel". Die Schweinfurterin ist wie Senft in ihrer Freizeit in St. Johannis engagiert und hat für die Vesperkirche extra 14 Tage Urlaub genommen. Warum? Eine günstige Gelegenheit, viele Schweinfurter kennenzulernen, flachst sie in Anspielung auf ihren doch etwas entfernteren Arbeitsplatz. Dann Ernst: Das Besondere, die Atmosphäre, die Stimmung, die „hervorragend" sei. „Das macht Spaß, bei einer Wiederholung nächstes Jahr, „bin ich wieder dabei".

14 Uhr. Norbert Holzheid meldet wie vereinbart die Zahl der ausgereichten Essen. 420 waren es Mittwoch. Die Stimmung war bestens. Die Vorbereitung für Donnerstag beginnt.

 (Text: Hannes Helferich)

 

epd-Meldung vom 19. Januar 2015:

Erste bayerische Vesperkirche in Schweinfurt eröffnet

Schweinfurt. Diakon Norbert Holzheid ist sprachlos. "Ich hatte schon mit Zuspruch gerechnet, aber dass so viele Menschen kommen, das ist wirklich toll", sagt der Schweinfurter hörbar überrascht. In der St. Johanniskirche ist am Sonntag die erste bayerische Vesperkirche offiziell eröffnet worden. Das Organisations-Team um Norbert Holzheid hatte zunächst "mit etwa 200 Essen" kalkuliert. "Am Freitag haben wir dann auf 250 erhöht, weil wir so viele positive Rückmeldungen bekommen haben, und heute mussten wir dann noch mal 20 Essen nachbestellen", erzählt er. […]

Holzheid ist begeistert, dass schon bei der offiziellen Eröffnung das Publikum aus einer "typischen Vesperkichen-Mischung besteht". Gut Situierte säßen neben Hartz-IV-Empfängern, Junge neben Alten, treue Kirchgänger neben völlig unbekannten Gesichtern. "Das Schöne ist: Es sind auch Leute gekommen, die total gegen unser Projekt Vesperkirche waren", erläutert der Diakon. Einigen Schweinfurtern sei es zuerst nicht recht gewesen, dass im Kirchenraum gegessen wird. "Einige waren heute da, waren begeistert und wollen sogar wiederkommen", sagt er. […]

Das Pilotprojekt soll nach dem Willen der Organisatoren keine einmalige Sache bleiben. "Wir wollen das auch kommendes Jahr wieder machen", sagt Holzheid bereits am Premierentag. Dazu braucht die Vesperkirche aber nach wie vor noch Spenden. Um die 20.000 Euro fehlen nach wie vor, damit die erwarteten Gesamtkosten gedeckt sind. "Und wenn wir mehr zusammenbekommen, ist es auch gut - dann haben wir gleich das Startkapital für 2016", sagt der Diakon.

(epd lbm dsq dj; Text: Daniel Staffen-Quandt)

 

Schweinfurter Tagblatt:

Run auf die erste Mahlzeit

„Lasst uns Vesperkirche sein“. Diese Worte stellte Dekan Oliver Bruckmann am Sonntagmorgen an den Anfang seiner Begrüßung zu einem besonderen Gottesdienst: der Eröffnung der ersten Vesperkirche in Bayern. Exakt eine Stunde später stellte er mit Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa die Kirche Sankt Johannis für die nächsten drei Wochen „in den Dienst einer Vesperkirche“. Um ein 22-tägiges friedliches Fest bat Keßler-Rosa. […]

Diakoniepräsident Michael Bammessel aus Nürnberg beschrieb die Vesperkirche in seiner Predigt als einen „Ort menschlicher Wärme mitten im kalten Winter“, als ein „Gastmahl für Menschen, für die es nicht selbstverständlich ist, als Gäste willkommen zu sein“. […]

Bammessel stellte aber klar, dass eine Vesperkirche keine Armenspeisung, sondern eine Bewirtung mit Stil sei. Es bestehe neben der Zeit zum Gespräch auch die Möglichkeit, Ruhe zu finden für den, der sie sucht. „Ja, die Vesperkirche ist auch für Leute, die sich keinen Restaurantbesuch leisten können“, sagte er. Sie seien nun aber in St. Johannis willkommen, wenn es hier auch „aus guten Gründen“ keinen Alkohol, keinen Wein gebe. […]

„Das ist eine gute Sache und ich habe Zeit“, „ich finde das toll“ und „engagiere mich deshalb für diese gute neue Sache“, sind Aussagen der drei Helferinnen Beate Riedel, Irmtraud Schleemilch und Karolina Sängerlaub. Ähnlich hat es Erna Gründwald formuliert, die 13-mal Dienst schieben wird und acht Kuchen backen will.

Unter den Gästen waren Adolf und Ingrid Schwach auszumachen. Sie sind katholisch, wollen mehrere Male kommen, um diese „gute Idee zu unterstützen“. Dietrich Josef Pressing war auch nicht nur zum Auftakt da, weil er meint, mit Gesprächen dem einen oder anderen helfen zu können.

(Schweinfurter Tagblatt vom 19.1.15; Text: Hannes Helferich)

 

t-online.de vom 19.01.15:

Bayerns erste Vesperkirche in Schweinfurt eröffnet

Wo sonst der Pfarrer predigt und der Kirchenchor singt, stehen Esstische und Stühle: Mit einem Gottesdienst wurde in Schweinfurt die erste Vesperkirche eröffnet. Drei Wochen lang verwandelt sich der Innenraum der evangelischen St.-Johannis-Kirche in ein christliches Gasthaus.

Für einen symbolischen Beitrag von 1,50 Euro bekommen die Gäste ein Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen. Diakon Norbert Holzheid hofft, dass nicht nur Bedürftige das Angebot nutzen. Stattdessen sollen Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft an den Tischen gemeinsam essen und Gespräche auf Augenhöhe führen.

 

Neue Presse Coburg vom 17.01.15:

Kirchenbänke raus, Esstisch rein

Die Schweinfurter Vesperkirche ist ein Pionierprojekt des Diakonischen Werks Bayern und der Evangelischen Kirche. Etwa ein halbes Dutzend Kirchen hatte sich vor zwei Jahren auf die Ausschreibung beworben. "Wir haben in Baden-Württemberg gesehen, dass Vesperkirchen eine sehr gute Möglichkeit sind, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammenzubringen und Themen wie Armut und Zuwanderung auf eine begreifliche Art und Weise an viele Menschen heranzubringen", sagt Martin Dorner vom Diakonischen Werk Bayern. Er war federführend an der Ausschreibung beteiligt und begleitete das Projekt während der mehr als einjährigen Vorbereitungszeit. […]

Vesperkirche steht und fällt aber auch mit der Unterstützung von Freiwilligen. Vom Kuchenbacken und Kaffeekochen über die Tischdekoration, das Servieren, das Kassieren und das Abwaschen bis hin zum Waschen der Wischtücher - mehr als 170 Menschen helfen in Schweinfurt drei Wochen lang ehrenamtlich. "Ohne deren Herzblut und deren Begeisterung wäre das Projekt unmöglich", sagt Diakon Holzheid.

[…] Nicht alle Kirchenvorstände befürworten die Idee einer Vesperkirche. Sie können sich nicht damit anfreunden, den sakralen Raum für ein gemeinsames Essen zu öffnen. "Es ist nach wie vor sehr ungewöhnlich, in einer Kirche zu essen. Man muss seinen Kirchenvorstand mit auf die Reise nehmen, man muss sich das trauen. Wir hoffen, dass die Schweinfurter Vesperkirche nun eine Initialzündung sein wird", sagt Dorner. Kirchengemeinden in der Nürnberger Region, in Landshut und Würzburg planten bereits ein solches Angebot.

Katholische Kirchen sind indes bei diesem Thema vorsichtiger. Der Liturgiereferent des Bistums Würzburg, Stephan Steger, geht nicht davon aus, dass eine mehrtägige Vesperkirche in einer katholischen Kirche möglich ist. "Das Sättigungsmahl und die Eucharistiefeier sind für uns zwei getrennte Dinge. Deshalb wird man auf unserer Seite immer zurückhaltend sein."

(Text: Christiane Gläser)

Und:

Kleines Video gefällig? http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/vesper-kirche-schweinfurt-100.html

 und noch ein zweites: http://www.tvtouring.de/mediathek/video/das-miteinander-fuer-leib-und-seele/

 

(Bericht aus evis August/September 2014)

Miteinander für Leib und Seele

So lautet das Motto der 1. Vesperkirche in Bayern, die vom 18. Januar bis 8. Februar 2015 in der St. Johannis-Kirche durchgeführt wird. Am 3. Dezember 2013 haben wir dazu in einem Wettbewerb den Zuschlag der Landeskirche und des Diakonischen Werkes Bayern bekommen.

Im Februar 2014 hat sich eine Arbeitsgruppe von zehn Personen aus Diakonie und Kirche gefunden, die sich mit der Vorbereitung beschäftig. In zahlreichen gemeinsamen Zusammenkünften werden alle thematisch und organisatorisch relevanten Themen besprochen und abgearbeitet. Die Vorbereitungen laufen hierzu auf Hochtouren.

So manches Mal werde ich gefragt: „Was soll denn das Ganze überhaupt?“

Gemeinsam an einem Tisch sitzen und miteinander Essen, das verbindet Mensch, so wie es Jesus häufig in den biblischen Erzählungen auch gemacht hat. Es entstehen Gespräche über Gott und die Welt. Unterschiedliche Berufs- und Lebenswelten treffen aufeinander und man hat gemeinsame Teilhabe. Gespräche finden auf Augenhöhe statt. Hierzu öffnet die St. Johannis-Gemeinde ihre „Beste Stube“, die St. Johannis-Kirche, die Gemeinde freut sich, ihre Gäste begrüßen zu können. Denn nur das Beste ist für unsere Gäste gut genug, daher kann es eigentlich keinen anderen Raum geben als das Gotteshaus, das Gebäude, auf das wir alle in der Stadt sehr stolz sind. Ich kann mir vorstellen, Jesus hätte es genauso gemacht. Gäste, die zur Vesperkirche kommen, sollen sich in diesem Raum wohl fühlen und werden auch entsprechend empfangen. Ein Begegnungsprojekt unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Allen Menschen soll es ermöglicht werden, in der Vesperkirche ein Essen zu erhalten.

Neben dem Essen und Trinken werden Beratung, Kultur und Informationen über Unterstützungsmöglichkeit in Schweinfurt angeboten.

Täglich, auch an den Sonntagen, wird ein Mittagsmenue (auch vegetarisch) mit Getränken und Kaffee und Kuchen angeboten. Jeweils um 13 Uhr wird ein geistlicher Impuls das Geschehen kurz unterbrechen und zum Zuhören einladen. Nach dieser kurzen Atempause kann jeder gestärkt seine Tätigkeiten fortführen. So wird das Motto „Miteinander für Leib und Seele“ ganz in den Mittelpunkt gerückt und erhält seinen besonderen Stellenwert.

Vesperkirche soll ein deutliches Zeichen sein dafür, die Schere von Arm und Reich geht weiter auseinander. Vesperkirche will Bewusstsein dafür wecken, dass etwas im Argen liegt. Sie soll ein deutliches Zeichen sein – mitten in unserer Stadt und darüber hinaus.

Für die Vesperkirche brauchen wir auch Ihre Unterstützung!

Gerne beantworte ich Ihre Frage: „Was kann ich tun?“

Vesperkirche lebt vom Engagement der Ehrenamtlichen. Die Gastfreundschaft steht an erster Stelle. Sie können Gastgeberin oder Gastgeber werden, indem Sie sich mit einbinden lassen in das große Team der Ehrenamtlichen. Für alle Bereiche, ob bei der Begrüßung, dem Bedienen, der Kuchen- bzw. Essensausgabe und vielen anderen Einsatzgebieten. Sie müssen nur die Bereitschaft mitbringen, sich in unterschiedlichen Bereichen einsetzen zu lassen. Auch besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten finden bei uns Berücksichtigung. Zirka 30 ehrenamtliche Mitarbeiter werden zum Gelingen der Vesperkirche benötigt. Wir freuen uns auf Ihre Anfragen.

Auch die nächste Frage beantworte ich Ihnen gerne:

„Was kostet das Ganze?“

Das Essen in der Vesperkirche kostet jedem Gast 1,50 Euro. Wer mehr geben möchte, kann dies auf jeden Fall tun.

Wie wird es finanziert? Zum einen durch die Essensverkäufe, zum großen Teil wird es durch Spender und Sponsoren gedeckt werden müssen. Deshalb braucht Vesperkirche Menschen, Geschäfte und Firmen, die mit ihren Spenden dieses Projekt unterstützen.

„Miteinander für Leib und Seele“

Vesperkirche Schweinfurt – ein spannendes Projekt, auf das wir uns gerne eingelassen haben, weil wir finden, es zeigt, dass Kirche und Diakonie nicht nur von Nächstenliebe sprechen, sondern sie auch in die Tat umsetzen. Vesperkirche – zeigt meines Erachtens die biblische Botschaft von Jesus am deutlichsten. Das Wort und die Tat liegen ganz nahe beieinander. Menschen begegnen sich und stärken sich für Leib und Seele.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns bei der Vesperkirche sehen würden, als Gäste oder auch als Gastgeber, seien Sie dabei!

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihr

Norbert Holzheid

Leiter der Projektgruppe Vesperkirche


 

Besuch der Vesperkirche in Ludwigssburg

Projektgruppe aus Schweinfurt "schmeckt" hinein

Vom 18.01. bis zum 08.02.2015 findet die erste „Vesperkirche“ in Bayern statt. Am 3. Dezember 2013 wurde die Kirchengemeinde Schweinfurt-St. Johannis ausgewählt, die sich dafür beworben hatte. Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Schweinfurt, dem Dekanat, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Frauenbund und der Kirchengemeinde, wurde eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die sich um die Vorbereitung und Durchführung der Vesperkirche kümmert.

Drei Wochen lang wird in der St. Johannis-Kirche täglich ein Mittagessen angeboten. Für Leib und Seele soll in diesen Tagen etwas angeboten werden. Im Mittelpunkt steht die Begegnung von Menschen.

Die Projektgruppe begab sich für zwei Tage nach Ludwigsburg am Neckar. Hier findet dieses Projekt schon im fünften Jahr großen Anklang und Zulauf. Für die Teilnehmer, begleitet von Pfarrer Martin Dorner (DW Bayern), bestand nun die Möglichkeit, einmal zu beobachten und zum anderen konkret mitzuarbeiten. Die Gruppe erlebte eine herzlich Aufnahmen bei der Leitung wie auch bei den über 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern in Ludwigsburg. Erleb- und spürbar wurde das Miteinander beim Essen und Arbeiten. Viele Gespräche konnten geführt werden, um zu erfahren, was Menschen zur Vesperkirche führt. Alle sozialen Milieus waren anzutreffen. Gemeinsam saßen Menschen am Tisch, um zu reden und zu essen. In den Nachgesprächen waren alle Teilnehmer der Projektgruppe einer Meinung: „Wir freuen uns und sind gespannt auf die Vesperkirche 2015 in Schweinfurt-St. Johannis“.

Mit sehr vielen Eindrücken begab sich die Gruppe wieder in ihre fränkische Heimat, um  ab sofort an der Vorbereitung für die Vesperkirche zu arbeiten.

Zur Projektgruppe gehören: Dekan Oliver Bruckmann, Vorstand DW Jochen Keßler-Rosa, Geschäftsstellenleiter KASA Uwe Kraus, Pfarrerin Gisela Bruckmann, Vertrauensfrau Elisabeth Dämmrich, Marina Thilenius, Christa Holzheid und Projektleiter Diakon Norbert Holzheid.

 

Die Projektgruppe ist auf viele, die mitarbeiten wollen, angewiesen und freut sich auf Interessierte.

Sprechen Sie uns an!


 

Erste Spende für die Vesperkirche 2015 konnte von Dekan Oliver Bruckmann in Empfang genommen werden!

 

Die St. Johannis-Kirche wird die erste Vesperkirche in Bayern

(Bericht aus der Main Post, 4.12.2013, von Hannes Helferich)

 

„Gemeinsam an einem Tisch“ lautet das Motto vieler Vesperkirchen, einer Idee, die vor allem in Baden Württemberg seit bald 20 Jahren erfolgreich umgesetzt wird. In Bayern gibt es noch keine Vesperkirche, aber bald eine in Schweinfurt. Diakonie und Dekanat haben sich auf eine landesweite Ausschreibung ihrer Kirche beworben und nun den Zuschlag für die Pionierarbeit im Freistaat erhalten. Zur Vesperkirche wird die dazu wegen ihrer Größe und der Barrierefreiheit ideal geeignete Kirche St. Johannis. Anreiz zur Bewerbung war eine Anschubfinanzierung von einmalig 45 000 Euro.

Die Leonhardskirche in Stuttgart war die deutschlandweit erste Vesperkirche. Das Konzept wurde vom dortigen Diakoniepfarrer Martin Fritz 1995 vor dem Hintergrund einer sich ausbreitenden neuen Armut entwickelt. Heute gibt es in Baden Württemberg 25 Vesperkirchen, die im Winter ihre Türen öffnen.

Wie läuft eine Vesperkirche ab? Für ein paar Wochen im Jahr sitzen hier Menschen an gedeckten Tischen und lassen sich ein auch mehrgängiges Menü schmecken. Da sitzt die Geschäftsfrau neben einer finanziell nicht so gut ausgestatteten Alleinerziehenden, der Diplom-Ingenieur neben dem alleinstehenden Senior im Rollstuhl. Wer wenig Geld hat, zahlt einen Euro, die anderen mehr.

„Vesperkirche ist keine Armenspeisung, wir essen zusammen in der Kirche quer durch alle Bevölkerungsschichten“, erklärt denn auch Dekan Oliver Bruckmann. Am Dienstagabend hat er erfahren, dass die Wahl auf Schweinfurt fiel und er ist darüber „richtig froh“, wie er beim Gespräch am Mittwoch sagte. Es habe „starke Konkurrenz“ gegeben, für Schweinfurt hat sich die Landeskirche wohl wegen der guten Bewerbung, des gemeinsames Auftritts von Kirche und Diakonie sowie der darin praktizierten breiten Ehrenamtsarbeit entschieden, sagten der Schweinfurter Dekan und der nicht minder erfreute Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa.

Für Bruckmann geht es im Projekt nicht um Integration, sondern um Inklusion. „Es gibt keine Randgruppen mehr, alle sind und leben wir in Schweinfurt“, ergänzte in diesem Sinn Keßler-Rosa. Begegnung also über Milieugrenzen hinweg, es wird ein Kennenlernen mit Menschen aus anderen Lebenssituationen möglich gemacht.

Wie ist der Fahrplan? Ein Team von Ehrenamtlichen aus Diakonie und Pfarrei St. Johannis wird im Februar/März eine der Vesperkichen in Baden Württemberg besuchen, einen Tag als Gast, einen zweiten als Mitarbeiter. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden.

Mit diesen Erfahrungen geht es dann an die Detail-Planung. Es sind zur Realisierung viele Ehrenamtliche nötig, die zu finden Bruckmann „keine Bedenken hat“. Schon die Bewerbung, die durch alle Gremien lief und durchweg gutgeheißen wurde, war von steter Zustimmung begleitet. Im Februar und März 2015 findet dann die Premiere statt in St. Johannis, wo, man kann es sich noch nicht vorstellen, drei bis vier Wochen zwischen den Kirchenbänken gedeckte Tische stehen, gegessen, miteinander kommuniziert, sich begegnet wird. In der Zeit, bewusst in der kalten Jahreszeit, ist die Kirche werk- wie sonntags offen. „Das ist so herrlich greifbar, das ist gut, das ist Praxis“, schwärmte Keßler-Rosa. Und Bruckmann meinte mit Blick auf die erwarteten Gäste, die sozial betroffen sind: „Das hat was mit Gerechtigkeit zu tun“. Wegen der Größe der Kirche sind Umbauten – Kirchenbänke raus – nicht nötig.

 

Dank Anschubfinanzierung ist die Finanzierung im ersten Jahr leichter. Gleichwohl reichen die 45 000 Euro nicht aus. Aber auch hier sind Bruckmann und Keßler-Rosa zuversichtlich, dass sich Sponsoren und Spender finden und viele mitmachen.


Zu Tisch in der Kirche

Die Schweinfurter Innenstadtgemeinde St. Johannis wird die erste evangelische Vesperkirche im Freistaat

 

Schweinfurt (epd). Die Freude beim evangelischen Schweinfurter Dekan Oliver Bruckmann ist groß: Die Innenstadtgemeinde St. Johannis wird zu Bayerns erster Vesperkirche. Die Gemeinde hat jetzt den Zuschlag für das landesweite Pilotprojekt von Landeskirche und Diakonischem Werk bekommen, das auch mit einer Anschubfinanzierung von 45.000 Euro verbunden ist. Bis in St. Johannis aber auch tatsächlich das erste Essen ausgegeben wird, dauert es noch. Erst im Januar oder Februar 2015 soll es soweit sein. Es gebe noch viel vorzubereiten, sagt Dekan Bruckmann.

Die Idee der Vesperkirche ist nicht neu, in Württemberg wird sie schon seit rund 20 Jahren umgesetzt. Für eine gewisse Zeit im Winter wird in einer Kirche ein verbilligtes Menü für alle - aber auch soziale Beratung und Begegnung - angeboten. Inzwischen gibt es in Baden-Württemberg mehr als 20 evangelische Kirchengemeinden, die in den Wintermonaten eine Vesperkirche organisieren. In Bayern gab es das bislang nicht. Im Sommer hatten sich 13 Gemeinden bei einem Informationstag über das Pilotprojekt informiert.

Neben der Schweinfurter St. Johannisgemeinde hatten sich noch drei weitere Gemeinden für das Pilotprojekt beworben, darunter auch eine aus der Großstadt Nürnberg. "Wir hatten starke Mitbewerber", findet auch Dekan Bruckmann. Es freue ihn deshalb umso mehr, "dass wir nun diese Chance bekommen". Dass sich für dieses ehrgeizige Projekt auch genügend ehrenamtliche Helfer finden, davon ist er überzeugt: "Das ist ein gemeinsames Projekt von Kirche und Diakonie - da sind wir sehr breit aufgestellt, gerade auch was die ehrenamtlich Engagierten angeht."

Die Schweinfurter sind laut Bruckmann mit einem besonderen Ansatz an das Projekt herangegangen. "Aus der Kirche Ausgetretene habe zu uns gesagt, sie vermissen in der Kirche den Einsatz für Gerechtigkeit", sagt der Dekan. Das habe ihm "ziemlich geschockt, weil wir doch die Diakonie haben, die sich permanent für Gerechtigkeit einsetzt". Doch für etliche Menschen sei die enge Verknüpfung zwischen Kirche und Diakonie wohl nicht so offensichtlich. "Da sind wir sicher auch selbst schuld", erläutert Bruckmann. Viel zu selten träten Kirche und Diakonie gemeinsam auf.

Das soll sich in Schweinfurt bei der Vesperkirche ändern. Projektträger ist zwar die Kirchengemeinde, aber das Dekanat und die Diakonie sind neben einigen anderen Akteuren die Hauptkooperationspartner. Bisher seien alle Gremien jeweils einstimmig für das Projekt gewesen, betont der Dekan. Er rechnet aber durchaus auch noch mit kritischen Stimmen dazu, dass die Kirche mehrere Woche für das Angebot "blockiert" wird. "Das Neue Testament ist da auf unserer Seite", sagt Bruckmann: "Jesus hat so oft mit Menschen gemeinsam gegessen. Das tun wir jetzt auch."

Pfarrer Martin Dorner von der Diakonie Bayern, zuständig für "Diakonie im sozialen Nahraum" und Koordinator des Projekts Vesperkirche, sagt, Vesperkirchen seien etwas anderes als eine Armenspeisung. Es gehe vielmehr um einen Ort der Begegnung "für alle Menschen". Die erste bayerische Vesperkirche soll unter dem Motto "Gemeinsam an einem Tisch" stehen. Mit den 45.000 Euro Anschubfinanzierung werde man in Schweinfurt "nicht ganz hinkommen", sagt Bruckmann. Deshalb werde man nun bei Unternehmen und Stiftungen auf Sponsorensuche gehen. (01/4031/05.12.2013)

Quelle: epd lbm dsq cr