31. Januar 2015

Das Wort zur Mitte am Samstag, den 31. Januar 2015:

Liebe Vespergemeinde.

In wenigen Stunden da wird er rausgeschmissen. Wer? Der Christbaum hier in unserer Johanniskirche. Es streiten sich die Geister darüber, wann genau die Christbäume aus unseren Häusern und Kirchen wieder verschwunden sein sollten. Die ganz Eiligen, die werfen ihn gleich zu Neujahr schon wieder aus der Wohnung. Geduldigere Menschen behalten ihn bis zum 6. Januar bei sich zu Hause. Ich denke, korrekt ist es, den Christbaum - so möglich - bis zu Lichtmeß in den Häusern und den Kirchen zu lassen. Der Christbaum hier schaut auch noch wirklich brauchbar aus. Als ich am Donnerstag nach dem Mittagessen wieder aus dieser Kirche gegangen bin, da habe ich noch lange von seinem Grün gezehrt. Der Baum hat mir in diesem Wintergrau wieder Hoffnung geschenkt. Weihnachten ist wohl nun endgültig vorbei, aber ich darf mich schon wieder auf den Frühling, auf Ostern, auf neues Licht und Wärme freuen. Ist Weihnachten nun wirklich endgültig vorbei? Am letzten Wochenende da meinten meine Frau und unsere neunjährige Tochter, dass wir nach Lauscha in den Thüringer Wald fahren müssten, um Kugeln für den nächsten Christbaum zu kaufen. Vielleicht waren sie schon einmal in Lauscha. Dort ist ähnlich wie in Rothenburg das ganze Jahr Weihnachten. Bekannt ist Lauscha durch seine Christbaumkugeln. Im 19. Jahrhundert wurden sie dort erstmals hergestellt. So ein bißchen vermisse ich sie schon in dem eigentlich recht wunderschönen  Baum hier in unserer Johanneskirche, die Christbaumkugeln. Wunderschön sind sie anzuschauen, aber sie gehen auch leicht in die Brüche. Behutsam muss man mit ihnen umgehen. Damit passen sie wunderschön zu Weihnachten. Eine einzigartige Botschaft: Gott wird Mensch, einer wie wir. Dieser Jesus ist sich auch für nichts zu schade. Seine Botschaft ist klar und eindeutig. Liebe Gott und genauso wichtig: liebe deinen Mitmenschen. Aber was bleibt davon in unserem Alltag übrig? Wann finden wir Zeit für Gott? Wo nehmen wir uns füreinander Zeit? Wo nehmen wir unseren Mitmenschen wahr als der, der er ist und wie er ist. Mit seiner Freude aber auch mit seinen Sorgen und seiner Angst? Mit seiner Krankheit oder auch Schuld. Unser Leben, unser Glaube etwas Wunderbares, aber wirklich manchmal auch ganz schnell und leicht zerbrechlich wie so eine Christbaumkugel. Möge die heutige Vesperkirche uns Zeit schenken einander zu begegnen und uns anzunehmen so wie wir gerade sind. Möge sie uns Raum geben aufeinander und voneinander zu hören. Möge Gott dabei mitten unter uns sein. Wir werden spüren. Weihnachten ist noch lange nicht vorbei.

Amen.

von

Stefan Stauch

evang. Pfarrer

Kirchengemeinde Sennfeld