30. Januar 2015

Das Wort zur Mitte am Freitag, den 30. Januar 2015:

Liebe Besucher der Vesperkirche,

vor einigen Wochen, als die Vorbereitungen für die Vesperkirche in vollem Gange waren, da kam fast jeden Tag Pakete mit Material für die Vesperkirche. Eines Nachmittags stand plötzlich der Lieferdienst mit einer ganzen Euro-Palette voller Kartons vor der Tür. Ich erschrak erst einmal über die Menge und dachte mir: was hat denn unser Diakon Norbert Holzheid da wieder bestellt? In den Kartons waren mehrere hundert Kaffeebecher mit dem Logo der Vesperkirche.  Ich dachte zuerst: brauchen wir das wirklich? Auch noch eigene Vesperkirchen-Kaffeebecher? Hätten es nicht einfache weiße Tassen auch getan? Doch schon am ersten Tag der Vesperkirche wurde mir klar: ja, das brauchen wir. Denn das hier ist mehr als nur ein einfacher Kaffeebecher!

Manche von Ihnen halten ihn gerade in der Hand oder haben ihn vor sich stehen, andere werden diesen schönen Kaffeebecher nachher noch in der Hand halten. Nach dem Essen noch zusammen einen Kaffee genießen - das ist der perfekte Abschluss eines Besuchs in der Vesperkirche. Es ist ein schönes Bild, wenn die Menschen - wie Sie hier gerade - in der Kirchenbank sitzen und vor sich auf der Ablage, wo sonst die Gesangbücher liegen, einen dampfenden Becher Kaffee stehen haben.

So lässt es sich aushalten. So hat man Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier in der Vesperkirche einen Kaffee zu trinken, das bedeutet nicht nur nach dem Essen noch einen Nachtisch zu sich zu nehmen. Es bedeutet nicht nur, vor dem Rausgehen schnell noch einen Wachmacher zu trinken. Dieses gemeinsame Kaffeetrinken ist vielmehr ein fester Bestandteil der Gemeinschaft in der Vesperkirche. Beim Kaffeetrinken ist Zeit zum Reden. Beim Kaffeetrinken ist Zeit zum Genießen. Wenn ich einen Gast habe, biete ich Ihm im Normalfall einen Kaffee an. Und damit signalisiere ich: ich hab Zeit für dich.

Dieser Kaffeebecher steht für das, was Vesperkirche ausmacht:  eine gute Gemeinschaft, bei der mal wirklich Zeit füreinander ist. Wo man sich Zeit für einen Kaffee nimmt, da ist gut Sein. Kaffeetrinken in der Vesperkirche heißt, diese besondere Gemeinschaft leibhaftig zu spüren.

Und Kaffetrinken in der Vesperkirche heißt auch zu spüren, wie gut es Gott mit uns meint. Im Psalm 23 heißt es: "Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein!" Du Gott, schenkst mir voll ein! Ein guter Kaffee steht auch für ein gutes, genussvolles Leben. Ein Leben, wie wir es uns wünschen. Doch oft haben wir das Gefühl, dass unser Lebensbecher eher halb leer als halb voll ist. Wir sehnen uns nach jemandem, der uns voll einschenkt. Wir wünschen uns jemanden, der uns eine Wohltat tut. Hier in der Vesperkirche können wir es erfahren, was es heißt, wenn Gott uns voll einschenkt. Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar, so lautet das Ende des 23. Psalms. Spätestens um 14:30 Uhr werden wir das Haus des Herrn für heute verlassen. Doch ich wünsche Ihnen, dass sie diese Erfahrung mit nach Hause nehmen - Vesperkirche heißt volles und erfülltes Leben, denn Gott schenkt uns voll ein! Amen.

Ich wünsche Ihnen noch eine fröhliche und gesegnete Zeit in der Vesperkirche.

von

Andreas Grell

evang. Pfarrer

Schweinfurt – St. Johannis