27. Januar 2015

Das Wort zur Mitte am Dienstag, den 27. Januar 2015:

Liebe Gäste der Vesperkirche Schweinfurt,

zunächst möchte ich Ihnen ganz herzliche Grüße aus Württemberg übermitteln. Wir freuen uns sehr – und vielleicht sind wir auch ein bisschen stolz – dass die Idee der Vesperkirche, die vor 20 Jahren in Stuttgart geboren wurde, sich nicht nur in unserer württembergischen Landeskirche ausgebreitet hat, sondern nun in wunderbarer Weise auch hier in Schweinfurt Wirklichkeit geworden ist.

In Stuttgart fragt man sich in diesem Jahr, ob 20 Jahre Vesperkirche eigentlich ein Grund zum Feiern seien. Oder ist es eher ein Armutszeugnis, dass man Vesperkirchen braucht? Ich denke, es ist ein Gewinn, dass es diese Orte der Begegnung gibt.

„Gemeinsam an einem Tisch“ lautet das Motto der Vesperkirchen in Württemberg. Und dieses Motto mach deutlich, um was es eigentlich geht: Um Gemeinschaft und Begegnung. Um das Miteinander. „Miteinander für Leib und Seele“ heißt es bei Ihnen in der Schweinfurter Vesperkirche.

Vesperkirchen sind ein Ort der Geborgenheit. Ein Ort, an dem ich mich wohl fühle. In der Vesperkirche begegnen wir uns. Als völlig unterschiedliche Menschen kommen wir zusammen und essen miteinander an einem Tisch. Und wir teilen ein Stück unseres Alltags miteinander. Wir nehmen uns gegenseitig wahr. Und es spielt keine Rolle, woher ich komme und was mich bewegt. Jede und jeder ist willkommen.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Römer 15,7). So schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom. Er schreibt das an eine Gemeinde, in der ganz unterschiedliche Menschen zusammen kommen. Da gibt es Arme und Reiche, Fröhliche und Traurige, Starke und Schwache.

Alle sind willkommen. In der christlichen Gemeinschaft nehmen wir uns so an, wie wir sind. Jede und jeder von uns hat eine eigene Lebensgeschichte, hat Unterschiedliches erlebt, gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Aber wir alle haben unseren Platz, sind gleichviel wert. Denn alle sind wir von Christus angenommen, so wie wir sind.

Die Vesperkirche ist eine solche Gemeinschaft. In die Vesperkirche darf  jede und jeder darf so kommen wie sie, wie er ist – und jede und jeder darf auch so wieder gehen. Keiner muss sich anpassen oder verändern. Wir dürfen so sein wie wir sind. Und auch so bleiben.

Wir begegnen einander, kommen miteinander in Berührung. Diese Begegnungen werden die Welt nicht verändern, aber vielleicht ein kleines bisschen von uns.

Amen.

Ich wünsche ihnen allen weiterhin eine gesegnete Mahlzeit und überhaupt eine fröhliche Vesperkirchenzeit mit vielen guten Begegnungen.

von

Harald Deininger

evang. Pfarrer

Schweinfurt Auferstehungskirche