25. Januar 2015

Das Wort zur Mitte am Sonntag, den 25. Januar 2015:

Liebe Gäste der Vesperkirche,

vor kurzem hat mir jemand erzählt:

Morgens, so gegen halb neun, klingelt es an seiner Tür, und da steht ein Mann, der drei Stockwerke unter ihm im gleichen Mietshaus wohnt. Man ist sich ab und zu auf der Treppe begegnet, mehr nicht. Und jetzt steht dieser Mann vor der Tür und sagt: Kann ich bei dir Frühstück haben?

Ganz schön dreist, finden Sie nicht auch? Hätten Sie den Mann hereingelassen – in ihr Wohnzimmer?

In der Bibel gibt es eine ähnliche Geschichte: Ein Mann lädt sich selbst zum Essen ein bei einem anderen.

„Steig herunter – denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Diese Worte spricht Jesus zu dem Oberzöllner Matthäus, der auf einem Baum sitzt, weil er von dort aus sicherer Entfernung Jesus beobachten wollte. „Hier sieht mich keiner“ – hat er sich vielleicht gedacht – „und hier kann mich niemand abdrängen oder sich vor mir aufbauen, weil ich halt so klein bin.“

Aber Jesus sieht ihn doch – und kommt mit einer fast unverschämten Aufforderung: „Steig herunter – denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Und jetzt muss sich dieser Zachäus ganz schnell entscheiden: lass ich mich darauf ein – oder nicht?

Mit fremden Menschen an einem Tisch sitzen und zusammen essen – das tun wir hier auch, in der Vesperkirche.

Und auch da stellt sich die Frage: Lasse ich mich auf meine Tischgenossen ein? Fange ich ein Gespräch an? Interessiere ich mich für diese wildfremde Person, die da neben mir oder gegenüber sitzt?

Zachäus jedenfalls hat sich auf Jesus eingelassen. Und das hat sein Leben verändert – zum Guten.

Lassen wir uns auf die Menschen ein, die wir hier treffen? Mir hat dabei der freundliche Empfang und die tolle Bedienung durch die Gastgeber sehr geholfen.

Ich wünsche uns, dass wir immer wieder diese Entscheidung treffen: auf andere zugehen, mit ihnen reden und hören, was sie zu sagen haben.

Vielleicht begegnet uns Jesus darin. Denn einen seiner Aussprüche könnte man durchaus sinngemäß abwandeln:

Wo ihr mit einem meiner geringsten Brüder (oder Schwestern) gegessen habt, da habt ihr mit mir gegessen.                

Amen.

Und jetzt wünsche ich Ihnen noch weiterhin eine gesegnete und fröhliche Zeit in der Vesperkirche Schweinfurt.

von

Harald Deininger

evang. Pfarrer

Schweinfurt - Auferstehungskirche