20. Januar 2015

Das Wort zur Mitte am Dienstag, den 20. Januar 2015

Liebe Gäste der Vesperkirche,

Kennen Sie das auch, dass man nicht ganz Ohr sein kann, weil man gerade sich mit etwas anderem beschäftigt?  Da redet mein Mann mit mir, ich aber höre nur mit "halbem Ohr" zu, weil ich gerade am Werkeln bin. Als er innehält und fragt, wie ich über das Gesagte denke, bin ich um eine Antwort verlegen und frage zurück: "Was hast du eben gesagt?"

Jesus hat immer wieder dazu ermutigt es mit der Geschäftigkeit nicht zu übertreiben und die Möglichkeit zu nutzen „ganz Ohr“ sein zu können. Einmal, wie uns das Lukas Evangelium erzählt, war er im Haus von zwei Schwestern, Maria und Martha. Die eine war geschäftig in der Küche zugange, die andere setzte sich zu Jesu Füßen und hörte ihm zu. Als die eine sich über die andere beschwerte, sagte Jesus: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt“.

Beides ist wichtig, höre ich aus diesem Satz von Jesus heraus. Das Essen und herrichten von Essen, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Aber nicht vergessen sollte man das andere: auch einmal etwas ruhen zu lassen, sich hinsetzen und dem anderen aufmerksam zuzuhören.  Auch darauf liegt Segen.

Denn wo das geschieht, da finden Menschen zueinander, da entsteht Gemeinschaft, da entstehen heilsame und befreiende Begegnungen. 

„Zuhören ist die Kunst durch das eigene Schweigen dem andern auf die Sprünge zu helfen. Aufmerksames Zuhören stimuliert, regt den andern zum Sprechen und mehr noch zum Denken an, es befreit Zunge und Gehirn.  Das Ohr ermöglicht uns so in besonderer Weise

Gemeinschaft. Im Austausch zwischen aufmerksamen Zuhören und eigenem Reden finden wir Wege zum anderen, bisher vielleicht sogar fremden Menschen.

Das eine ist so wichtig wie das andere. Das Essen, aber auch die Gemeinschaft, das durch aufmerksames zuhören entsteht und an Bedeutung gewinnt.

Und nun haben auch Sie, liebe Gäste der Vesperkirche, heute hier „das gute Teil“ erwählt. Sie haben eine Pause eingelegt, sitzen am Tisch mit anderen und stärken sich an Leib und Seele, durch Essen, durch Zuhören und zugehört werden. Amen

 

Weiterhin eine gesegnete und fröhliche Zeit in der Vesperkirche Schweinfurt.

 

von

Christhild Grafe

evang. Pfarrerin

SW – Kreuzkirche

und Augustinum