08. Februar 2015

Das Wort zur Mitte am Sonntag, den 08. Februar 2015:

Liebe Gäste und liebe Gastgeber und Gastgeberinnen

der Vesperkirche heute,

Ein umstrittenes Bild finden wir hier in der Kirche.

Es zieht den Blick auf sich durch seine Farbigkeit,

gleich, wenn man reinkommt;

und dann staunt man auch, weil da ein neues Bild, moderne Malerei,

eingefügt ist in einen alten Untergrund und Rahmen.

Manche sagen: Was ist denn das für eine Kombination?!

Das passt doch überhaupt nicht zusammen!

 

Ich rede vom Himmelfahrts-Bild im Hochaltar,

das haben Sie wahrscheinlich gleich gemerkt.

Mir geht es damit anders.

Mich beeindruckt dieses Bild, seit ich

zum ersten Mal hier in die Kirche gekommen bin.

Mit dem in der Diagonale eingezeichneten Christus  

zieht es den Blick nach oben,

lenkt Augen und Herz „himmelwärts“ zu Gott,

und vermittelt mir, dass nicht der Erdenstaub und alles Schwierige

das letzte Wort hat,

sondern dass es Hoffnung und Leben gibt durch diesen Gott.

 

Auch die Vesperkirche hier in St. Johannis, die heute zu Ende geht,

ist sozusagen ein umstrittenes Bild,

mit all ihren Angeboten seit nun drei Wochen.

Die einen finden es gut und sind ganz glücklich darüber –

und andere sagen: das geht doch gar nicht,

in der Kirche essen und Haare schneiden und was noch alles,

das ist doch ein Missbrauch des Gotteshauses!

 

Manche fragen auch:

das mit der Begegnung ist ja ganz schön –

aber dazu wäre doch das Gemeindehaus recht,

warum muss es denn die Kirche sein?

 

Weil hier das Herz und die Augen und Ohren „nach oben“ gehen,

„himmelwärts“ sozusagen,

so erlebe ich es.

Weil es hier Gott ist, der uns alle einlädt und sagt:

Du, Mensch, hast Platz in meinem Herzen und an meinem Tisch.

Du bist mir willkommen, wer Du auch bist,

hier sollst Du Freundlichkeit erfahren und Lebensfreude,

und etwas davon mitnehmen in den Alltag,

dass Du es auch selber austeilen kannst!

Und wie der in den Himmel auffahrende Christus an Himmelfahrt

es zu seinen Jüngern gesagt hat,

gibt er uns mit – an jedem Vesperkirchentag

und auch in die Wochen und Monate dieses Jahres

nach der Vesperkirche- :

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“.

Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen gesegneten Tag heute

und eine gute Zeit bis zur nächsten Vesperkirche.

von

Gisela Bruckmann

evangelische Pfarrerin

Schweinfurt St. Johannis und St. Salvator