04. Februar 2015

Das Wort zur Mitte am Mittwoch, den 04. Februar 2015:

 

Pet 4:10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes:

 

Liebe Gäste und
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Vesperkirche,

 

Ich komme hier herein und ich sehe gedeckte Tische, dampfende Suppen, Menschen, die sich darum scharen,

Wo sind wir eigentlich hier?!

 

– „Wo sind wir hier“, fragte Rabbi Haim aus Romshishok seinen Reiseführer in die Ewigkeit, den Propheten Elia.

Dabei sah er die gedeckten Tische, der wunderbare Duft aus den Suppentöpfen stieg im in die Nase. Aber die Menschen, die reihum saßen, waren abgezehrt und blass, und ihre Mägen knurrten vor Hunger. Beim Näherkommen verstand er:

Alle hatten sie nur meterlange Löffel, die sie hinten anfassen mussten. Sie schöpften die Suppe, aber sie konnten sie nicht zu ihren Mund führen, weil ihre Arme zu kurz waren. Das gute Essen so nah, aber doch unerreichbar. Was für eine Qual!

„Das hier ist die Hölle“, erklärte ihm sein Führer Elia.

„Und jetzt zeige ich dir noch unsere andere Abteilung  ...“

Sie verließen den Raum der Qual und Elia führte den Rabbi einen Raum weiter.

Da sah es eigentlich genauso aus, dieser wunderbare Duft über den Tischen –
aber die Menschen, die darum saßen, unterhielten sich fröhlich.

Ab und zu tauchte einer seinen langen Löffel in die Suppe und führte ihn zum Mund seines Gegenübers, der die Portion genüsslich verspeiste …

„Das ist ...“, fing der Reiseführer an;
„ich versteh schon: Das ist der Himmel!“, fiel im Rabbi Haim ins Wort. … Einfach gegenseitig helfen …  Ich muss das den andern sagen!“

Rabbi Haim riss sich von seinem Führer los, um die Botschaft zu den armen Menschen in die Hölle zu bringen,

und flüsterte dem ersten der Bedauernswerten ins Ohr: „Du musst nicht mehr hungern! Benutze deinen Löffel, um deinen Nachbarn zu füttern; er wird dir sicher das Gleiche tun  ...“

„Meinst du wirklich“, antwortete der, „meinst du wirklich, der würde etwas von mir annehmen wollen?!“

 

SIE trauten sich da was!

Sie, liebe Vesperkirchen-Inititatoren, -gastgeber und -gastgeberinnen,
planten und arbeiteten und bereiteten alles vor. Ob denn dann wirklich Menschen kommen, um in der Kirche zu essen?! Sich von Ihnen bedienen zu lassen?!

Und, liebe Gäste,
SIE machten sich auf, Sie trauten sich her, und feiern mit.

Ein munteres, lebendiges Miteinander ist hier,
die Wirklichkeit hat alle Erwartungen noch übertroffen. Und alle bringen ihre persönlichen Möglichkeiten ein (Petr. 4,10). Ein Vorgeschmack  des Himmels.

Natürlich: Dieses Festmahl ist hier auf Erden kein Alltag,

 – und davon abgesehen ist es eine ganz gehörige Anstrengung für alle Mitarbeitenden (vielen Dank für Ihr Engagement und Ihren Fleiß, für die tolle Organisation und vor allem für Ihre Freundlichkeit!!)

– die Vesperkirche ist und bleibt etwas Besonderes.

Aber die Erinnerungen – und die Wiederholungen, möglicherweise mit neu verteilten Rollen – die reichen dann auch in den Alltag hinein:

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. (Pet 4,10)

Und vernünftiges Haushalten, das ist doch klar nach der Allegorie der langen Löffel:

[Vernünftiges Haushalten] heißt:

Sich trauen, aufs Gegenüber, auf den Nächsten zuzugehen und miteinander zu teilen

– und ein bisschen dankbar sein, dass wir hier in der Kirche kurze Löffel haben.

 

AMEN.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine gesegnete und fröhliche Zeit in der Vesperkirche Schweinfurt!

 

von

Dr. Wolfgang Weich

evang. Pfarrer

Schweinfurt - Christuskirche