02. Februar 2015

Das Wort zur Mitte am Montag, den 02. Februar 2015:

Liebe Gäste der Vesperkirche,

ich lade Sie ein, hinauf auf die Empore zu schauen – zu der Kirchenorgel von St. Johannis: Sie möchte heute zu Ihnen sprechen und Ihnen einige Gedanken und Beobachtungen mit auf den Weg geben:

„Ich bin die Königin der Instrumente. Mozart hat mich im Jahre 1777 schon so genannt. Denn kein anderes Instrument verfügt über so viele Klangfarben, Klanghöhen- und tiefen wie ich. Fast alle 850 Töne, die ein Mensch hören kann, vermag ich erklingen zu lassen.

Ich stehe schon lange hier oben auf der Empore und habe schon viel erlebt.

Tagtäglich kommen Menschen hierher in die Kirche – um Gott für etwas zu danken oder ihn um etwas zu bitten. Manchen Menschen fehlen die Worte, weil sie etwas Schreckliches erlebt haben, oder sie schimpfen mit Gott über eine Ungerechtigkeit, die sie nicht verstehen können. Manchmal erlebe ich es auch, dass sie hereinkommen und einfach ein Lied anstimmen. - Dann lausche ich besonders aufmerksam – was für eine Melodie es ist... denn Musik ist einfach wundervoll...

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zum Einsatz komme – denn mit meinen hunderten Pfeifen kann ich große Wirkung erzielen: Ich kann feierlich brausen – so dass allen, die  mich hören, festlich zu Mute ist. Ich kann schweigen und auf den Sinn der Stille aufmerksam machen. Ich lobe zusammen mit allen, die mit mir musizieren, Gott, und helfe ihnen ihre Herzen zu ihm zu erheben.

Meine große Aufgabe ist es, die „göttliche Melodie" in Ihr Herz zu singen, sensibel und nachhaltig – so dass Sie aus tiefstem Herzen sagen können: „Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass die Elenden hören und sich freuen." (Ps 34,3)

Damit ich diese große Aufgabe bewältigen kann brauche ich Luft – so wie Sie Luft zum Leben brauchen.

Von verschmutzter Luft höre ich Sie oft reden. Auch meine Orgelpfeifen haben unter ihr zu leiden. Aber gibt es sie  nicht auch in unseren Köpfen, in unserem Verstand? Welcher Geistes-Wind weht uns ins Gesicht, durch unser Hirn? Ist es der Odem des ersten Schöpfungstages?

Wir müssen weiter fragen: Bewegt sich überhaupt etwas in unseren Köpfen?

Ich, die Orgel, bin selbst angewiesen auf den Wind. Ich vermag die Windstille in Ihren Herzen und Gedanken, da wo nichts mehr geht, wo dicke Luft ist, zu beenden. Ich kann Sie herausholen aus den finsteren Kanälen der Angst und Gleichgültigkeit.

Ich kann Ihnen helfen, dass Sie Gottes Melodie wieder besser hören – seine Melodie, die Menschen zusammen führt und Ihnen Hoffnung gibt.

Seine Melodie hat in den letzten beiden Wochen hier wunderbares bewirkt – so etwas habe ich noch nie hier in St. Johannis erlebt.

Die unterschiedlichsten Menschen, Junge und Alte, Arme und Reiche, Gläubige und Nicht-Gläubige – kommen hier her in die Vesperkirche, setzen sich an einen Tisch, kommen miteinander ins Gespräch, Essen gemeinsam und ermutigen sich.

Viele fleißige Helfer machen diese Erfahrung liebevoll möglich.

Das lässt mich hoffen – dass lässt mich mein Lob Gottes noch inniger anstimmen – damit alle, die Verzagt sind, es auch vernehmen.

Amen.

von

Barbara Hornung

kath. Pastoralreferentin

Pfarreiengemeinschaft Schweinfurt Zentrum