01. Februar 2015

Das Wort zur Mitte am Sonntag, den 01. Februar 2015:

 

Liebe Gäste und liebe Gastgeber und Gastgeberinnen der Vesperkirche heute,

Wie schön, hier auch heute wieder zusammenzukommen,

Wärme zu erleben im ganz wörtlichen und im übertragenen Sinn,

ein bisschen voneinander zu erfahren,

Anteil zu geben und Anteil zu nehmen, wer wir sind

und was gerade „obenaufliegt" sozusagen.

 

Wie wird es denn werden?

Bei allen Besprechungen und Vorbereitungen auf die Vesperkirche

haben wir uns das immer wieder gefragt.

Nicht nur vertraute Gesichter und Menschen werden es ja sein,

die sich hier begegnen!,

wird es denn klappen,

dass man miteinander ins Gespräch kommt:

Ältere und Jüngere,

finanziell gesichert die einen und mit eher wenig Geld die anderen;

mit einem gesundheitlichen Handicap die einen,

sorgenfrei die anderen, aber vielleicht mit offenem Ohr;

Einsame, die sich hierher aufmachen;

Berufstätige und Arbeitssuchende;

zur Kirche und zum Glauben hin Orientierte

und andere, denen die Kirche eher fremd ist -

und es eben noch so alles gibt an Unterschieden zwischen uns,

an unterschiedlichen Geschichten und Erfahrungen,

die alle hierher mitbringen, gute und schwere.

 

Und: Es klappt. Und tut gut –

nicht nur auf den Fototafeln hinten in der Kirche ist es zu lesen,

sondern auch immer wieder zu hören.

Und wir Mitarbeitenden hier

gehen immer wieder mit einem Gefühl von Dankbarkeit und Freude

aus der Vesperkirche nach Hause am Abend.

Nicht, weil immer nur alles himmlisch ist

und sozusagen nur noch „Himmel auf Erden",

sondern weil es gut ist, zu erleben,

wie lebendige Begegnung da ist und die Fremdheit abnimmt.

Und weil ein Vers aus der Bibel praktisch mit Händen greifbar wird:

„Gastfreundlich zu sein vergesst nicht;

denn so haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt."

(Hebr 13,2)

 

Am 1. Juli öffnen in Schweinfurt die Türen

der Erstaufnahmeinrichtung für Asylbewerber.

Der Bibelvers passt auch hier:

„Gastfreundlich zu sein vergesst nicht,

denn so haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt."

 

Und auch hier stellen viele die Frage:

Wie wird es werden?

Wird das Miteinander klappen?

Die da kommen, haben Schweres im Gepäck, sozusagen.

Ohne schwere Not, wenn man nicht bedroht ist an Leib und Leben und keine andere Chance mehr für sich sieht,

flieht man nicht aus der vertrauten Heimat

und weg von den Menschen da.

 

Was hier in der Vesperkirche gelingt,

kann uns allen auch da gelingen.

Weil wir ihm alle am Herzen liegen, legt Gott uns einander ans Herz.

Und begleitet uns mit seinem Segen,

wo wir uns freundlich umeinander annehmen.

Verlassen wir uns drauf!

 

von

Gisela Bruckmann

evang. Pfarrerin

 Schweinfurt – St. Johannis und St. Salvator